Der 22. November 2018 war ein spezieller Tag für die Schweizer Finanzwelt. An diesem Tag wurde an der Schweizer Börse das 21Shares Crypto Basket ETP lanciert – das erste Exchange Traded Product (ETP) in der Schweiz mit Kryptowährung als Basiswert. Das Produkt machte es privaten und institutionellen Anlegenden erstmals möglich, in Kryptowährungen zu investieren, ohne dass dafür eine zusätzliche Infrastruktur, wie etwa digitale Wallets, nötig war. Bereits vor diesem Produkt gab es ausserhalb der Schweiz andere Instrumente, die den Kryptomarkt abbildeten, darunter Exchange Traded Notes (ETN) in Schweden oder erste Bitcoin-Futures in den USA. Das 21Shares Crypto Basket ETP war jedoch das erste physisch besicherte Krypto-ETP weltweit, das an einer regulierten Börse gehandelt wurde.
Fünf Jahre später, im Januar 2024, wurde in den USA der erste Exchange Traded Fund (ETF) auf Bitcoin zugelassen. Die Nachricht schlug hohe Wellen. Der Bitcoin-Preis schoss in die Höhe. Doch was in den USA seit 2024 möglich ist, funktioniert in der Schweiz schon länger. ETPs und ETFs sind nicht dasselbe, werden allerdings in unterschiedlichen Ländern auch anders definiert. Aber beginnen wir mal von vorne.
Was ist ein ETP?
ETP steht für Exchange Traded Product, auf Deutsch «börsengehandeltes Produkt». Dem Namen entsprechend wird ein ETP also an einer Börse gehandelt wie etwa Aktien oder Gold. ETPs bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Vermögenswerts oder eines Korbs aus verschiedenen Werten ab. In der EU und in den USA fungiert ETP mehrheitlich als Oberbegriff für die folgenden Finanzinstrumente:
- ETF (Exchange Traded Fund) Ein Fonds, der einen Index oder einen Korb von Vermögenswerten nachbildet. ETFs sind reguliert und unterliegen meist Diversifikationsanforderungen.
- ETN (Exchange Traded Note) Eine börsengehandelte Schuldverschreibung, die die Wertentwicklung eines Basiswerts nachbildet. ETNs sind mit einem Emittentenrisiko verbunden.
- ETC (Exchange Traded Commodity) Ein Finanzprodukt, das die Wertentwicklung eines Rohstoffs wie Gold, Silber oder Öl abbildet.
In der Schweiz ist es anders. Hier ist ETP kein Oberbegriff, sondern ein eigenes Produktsegment. Dieses zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Vollständig besichert Jedes ETP muss zu 100 % mit realen Vermögenswerten oder Sicherheiten hinterlegt sein, um das Emittentenrisiko zu minimieren. Wenn ein ETP also insgesamt 500 Millionen Schweizer Franken in Bitcoin wert ist, muss der Emittent auch genau diese Summe als Sicherheit halten.
- Verringertes Emittentenrisiko Die Sicherheiten werden von einer unabhängigen Drittpartei verwahrt und im Fall der Insolvenz herangezogen. Das verringert das Emittentenrisiko deutlich.
- Open-ended-Struktur Neue Anteile können flexibel geschaffen oder zurückgenommen werden.
- Keine Haltefristen Anlegende können flexibel ihr Geld investieren oder abziehen.
- Erweitertes Spektrum an Basiswerten ETPs können sich auf traditionelle Basiswerte wie Aktien und Anleihen beziehen oder auf spezialisierte Märkte wie Kryptowährungen oder Rohstoffe fokussieren. Im Unterschied zu ETFs müssen ETPs nicht an einer gängigen Börse gehandelt werden.
- Handel an regulierten Börsen Schweizer ETPs werden an SIX Swiss Exchange gehandelt und unterliegen den entsprechenden Transparenzanforderungen.
Was ist der Unterschied zwischen ETP und ETF?
Der grosse Vorteil von ETPs nach Schweizer Definition liegt darin, dass es vereinfachte Anforderungen an die zugrunde liegenden Basiswerte gibt. Das gibt den Anlegenden Zugang zu Anlageklassen, die sonst nicht erreichbar sind – etwa Rohstoffe (wie Edelmetalle oder Energie) und Kryptowährungen. Ein entscheidender Unterschied liegt in der Schweiz auch im Sondervermögen: ETFs gelten als Sondervermögen, das im Insolvenzfall des Emittenten geschützt bleibt, während ETPs kein Sondervermögen sind, jedoch in der Schweiz immer zu 100 % besichert sein müssen. Dadurch minimiert sich das Emittentenausfallrisiko erheblich.
Warum gibt es in Europa keine ETFs auf Kryptowährungen?
Im Gegensatz zu den USA wurde in Europa bis heute kein ETF auf Kryptowährungen zugelassen. In den USA wurde der erste Krypto-ETF erst nach jahrelangem Widerstand der Securities and Exchange Commission und einem umfassenden Gerichtsprozess zugelassen. In der EU verbietet der regulatorische Rahmen für ETFs (UCITS) Kryptowährungen als Basiswert. Die UCITS-Richtlinien schreiben eine breite Diversifikation und hohe Liquidität der zugrunde liegenden Vermögenswerte vor. Kryptowährungen sind jedoch volatil und haben ein begrenztes regulatorisches Rahmenwerk, weshalb sie als ungeeignet gelten. Darum arbeitet man innerhalb der EU in den meisten Fällen mit ETNs. Diese sind allerdings in der Regel nicht physisch besichert, was ein Emittentenausfallrisiko mit sich bringt.
Warum lohnen sich ETPs?
Die Schweiz ist deshalb mit ihrem ETP-Angebot in Europa einzigartig positioniert. Durch die vollständige Besicherung reduziert sich im Gegensatz zu ETNs das Emittentenausfallrisiko. Der Kauf eines ETP erfordert dieselbe Infrastruktur wie der Kauf von Aktien. Es braucht nur ein Wertschriftendepot. Das macht den Handel um einiges leichter, als etwa Rohstoffe physisch oder Kryptowährungen mittels digitaler Wallets zu kaufen.
ETPs: Wie sieht die Zukunft aus?
ETPs haben sich in der Schweiz als wichtige Anlageklasse etabliert, vor allem im Bereich von Kryptowährungen und Rohstoffen. Aktuell zeigt sich ein Trend zur Erweiterung der Angebotspalette, etwa durch strukturierte ETPs mit aktivem Risikomanagement oder durch Produkte, die nachhaltige Investments abbilden. Regulatorisch könnte sich die Situation in Europa ebenfalls weiterentwickeln. Die Schweiz bleibt durch ihre stabilen regulatorischen Rahmenbedingungen ein attraktiver Standort für innovative Finanzprodukte.
SIX Swiss Exchange bietet Zugang zu ETPs auf Kryptowährungen wie Bitcoin, Solana, Ethereum sowie über 50 verschiedenen Krypto-Basiswerten. Das ist gleichbedeutend mit der grössten Auswahl an einer Primärbörse.
Emittenten können ihre innovativen und zukunftsfähigen Anlagelösungen einfach und schnell auf unserer Plattform kotieren und in den Handel bringen. Dabei garantiert Cosmos von Ultumus – einem Unternehmen von SIX – einen effizienten Erstellungs- und Rücknahmeprozess von ETPs.
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